Keramikwerkstatt Rosemarie Marks
Handgetöpferte Keramik für alle Lebenslagen
"Mein erster Hund"

Sonntag, 3. Januar 2010

Heute ist ein guter Tag, um in der Werkstatt am warmen Ofen zu töpfern.
8 Uhr früh, der Vollmond guckt noch ins Fenster, klirrende Kälte draußen.

Ich habe mir den Pudel "Teddy" vorgenommen, eine spontane Bestellung von Frauchen und Herrchen aus Neuburg/Kammel.

 
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Also los: Ein hellgrauer, grober Ton, speziell für große kritische Teile, ein Brett auf einem Drehteller, Werkzeug, Brille und ein paar liebe Fotos von "Teddy".

10 kg Ton sind schon verarbeitet - das wird ein "schwerer Junge"!    

 
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Im Anfang beim groben Aufbau sieht man schnell Fortschritte. Die eigentliche Arbeit, das Suchen nach der stimmigen Form, der "Feinschliff", braucht dann sehr viel länger.

Jetzt bekommt "Teddy" eine Eisenstange als Halt, er kann seinen schweren Kopf nicht selber halten.
Ohren und Schnauze geben dem Pudel seine charakteristischen Züge.
Inzwischen wiegt er schon faßt 20 kg!

Die neugierige Lisl ist überall dabei und hinterläßt auch gerne mal einen Pfotenabdruck!

 
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Mittag: Jetzt gönne ich ihm und mir eine Pause. Teddy muß antrocknen, damit er stabiler wird und ich brauche eine Verschnaufpause!
Ja, konzentriert bei der Arbeit sein ist anstrengend, auch beim Töpfern. Schließlich sollen meine Auftraggeber hinterher zufrieden sein. Beim 10. Hund kann ich das sicher lockerer sehen.

 
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Frisch erholt und mit geschärftem Blick sehe ich jetzt einige Unstimmigkeiten: Buckel zu dick, Schnauze zu klein, Ohren ungleich...
So mache ich mich an die "Feilarbeit".
Die Nase ist ja schon nicht schlecht, aber die Augen... und die Fellstrucktur ist auch ganz wichtig.
Die Eisenstange ziehe ich mit der Zange raus, der Pudelkopf hält inzwischen alleine.

 
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Jetzt komme ich schon zum Aushöhlen, der schwere Kopf muß entlastet werden. Dazu schneide ich den Hinterkopf ab und kann dann mit der Schlinge, einem Spezialwerkzeug, den Ton bis auf die dicke Außenschicht herausarbeiten.
Das klingt sicher grausam, aber wenn der Kopf wieder zu und gut verschmiert ist, sieht man von der Operation nichts mehr.

 
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Montag: Ein neuer Tag!

Inzwischen ist der Pudel so stabil, daß ich ihn legen kann. Jetzt höhle ich den Körper soweit aus, bis ich auf den Hohlraum im Kopf stoße.
Auf dem Weg wird "Teddy" wieder 10 kg leichter.
Überall noch ein prüfender Blick - hier und da ein bischen Fellstruktur - Fingerabdrücke vom Hantieren beseitigen.

 
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Na, was sagen Sie?

Ich glaube, ich kann mein Werk abschließen. So lieb und kuschelig wie das Original kann ein Keramikhund natürlich nie werden.

"Teddy" muß jetzt lange in Ruhe trocknen bis ich den ersten Brand riskieren kann. Dann berichte ich hier weiter.



 
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Es ist vollbracht!

Den ersten kritischen Teil, den Schrühbrand bei 950 Grad, hat der Pudel unversehrt überstanden. Wenn ich den abgekühlten Ofen nach so einem Brand endlich öffnen kann und nichts ist zerbrochen, dann bin ich immer ganz erleichtert. Zu oft ist mir schon etwas schief gegangen und natürlich gerne die Bestellungen.
Jetzt kann Teddy glasiert werden. Im Original ist er silbergrau, gar nicht so einfach für mich. Ich nehme "Margerite" für den Körper und etwas "Patina" für Ohren und Schwanz und dann lassen wir uns überraschen!
Im Hochbrand bei 1250 Grad können, vor allem bei so großen und dickwandigen Teilen, noch mal Spannungen entstehen. Teddy hat aber alles bestens gemeistert!

Ja, sehen Sie selbst! Ist doch ein hübscher Kerl geworden!

Bin gespannt, was die Auftraggeber beim Abholen für Augen machen. Vielleicht kommt der lebendige Knuddelhund auch mit.


 
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Der nächste Wuschelhund wartet schon, in Ton verewigt zu werden, die kleine "Maja".
Jetzt bin ich ja schon in Übung...


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