Keramikwerkstatt Rosemarie Marks
Handgetöpferte Keramik für alle Lebenslagen
"Die große Sitzende"

Für die "Creativ-Woche" 2008 in Heroldstatt habe ich mir ein mutiges Projekt gewählt:
Eine lebensgroße, sitzende Frau.
Insgesamt verbrauchte ich 120 kg Ton und mußte 8 ganze Tage feste arbeiten.

 
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Das erste Bein, der Po, das übergeschlagene Bein, der Rücken.
Hier gab es noch keine Probleme, Kilo für Kilo wächst meine Figur.
Vorab habe ich mir ein kleines Modell getöpfert. Es hilft mir bei der Sitzhaltung und den Proportionen.

 
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Und weiter gehts: Die Schultern, Arme und der schwere Kopf.
Jetzt sind 120 kg Ton verarbeitet. Das Grobe ist geschafft! Meine Figur sieht aus wie Rehrücken, gespickt mit Eisenstangen zur Stabilität, weil der Ton ja noch viel zu weich ist.

 
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Am Abend des 3. Tages wird es ernst -
meine weiche, große Dame kippt mir entgegen... sie ist kopflastig...
ich schrei nach Karl-Heinz (mein Lehrmeister), er kommt gesprungen und hat auch gleich eine Idee. Zu Viert halten wir die Figur und Karl-Heinz schraubt in Windeseile ein Holzgerüst unter den Hals.
Gerettet - die Konstruktion hält - ich bin total erledigt - in der Nacht schlafe ich schlecht...

 
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Mit neuem Mut gehe ich ans Werk - jetzt kommt die endlose Feinarbeit.
Hand mit Fingergliedern und Fingernägeln - Popo und Wirbelsäule - Füße mit Zehen, Knöcheln, Schienbein und Wade, und, und, und.

 
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Das Gesicht - ein Kapitel für sich!
Mit Spiegel, Lehrbuch und winzigem Werkzeug lege ich los.
Den ganzen Tag beschäftigt mich das Gesicht, bis ich einigermaßen zufrieden bin.
Sie lächelt...ob sie schon an unseren Garten und die Hühner denkt?!

 
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Nächster Schritt: Aushöhlen!
Zuerst der schwere Kopf, die massiven Schultern, dann kann das Holzgerüst ab. Inzwischen sind auch Arme und Beine so trocken, daß sie das Gewicht vom ausgehöhlten Kopf tragen können.
Der ganze Bauchraum wird mit einem Spezialwerkzeug ausgehöhlt, die Oberschenkel, die Waden - nach und nach verschwinden die Eisenstangen. Ein gewisser Nervenkitzel ist aber immer dabei.

Ohne auszuhöhlen könnte man so eine massive Figur nicht brennen, außerdem ist sie später mal nicht so schwer zu bewegen. Also bin ich fleißig, zum Schluß hab ich 50 kg Ton rausgearbeitet.

 
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Am Abend des 8. Tages bin ich fertig - fix und fertig!
Ich bin stolz, erleichtert und zufrieden, aber die richtige Freude wird sich wohl erst morgen einstellen. Noch kann ich es gar nicht begreifen, endlich fertig zu sein.
Ich klopfe ihr noch auf die Schulter, wünsche ihr alles Gute und fahre erschöpft heim.

Jetzt kommt eine lange Trockenzeit und dann ein riskannter Brand im großen Ofen in Heroldstatt. Da möchte ich noch gar nicht drann denken...ich werde berichten!

 
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Nach einigen Wochen Trockenzeit fahren wir nach Heroldstatt, um mit vereinten Kräften die zerbrechliche, schwere Figur in den Ofen zu hieven. Jeder Handgriff sitzt und alles geht gut. Wir schnaufen auf! Jetzt liegt die Dame auf dem Rücken im Schamottbett, Füße nach oben, sehr seltsam...

Wieder eine Woche später kommt der glückliche Anruf: Die "Große Sitzende" hat beide Brände heile überstanden! Jetzt aber nichts wie hin! Mit einer Matratze, allen Polstern, Decken, Teppichen und vielen Seilen im Gepäck geht es mit dem Anhänger los. Eine ganze Weile dauert es, bis sie weich gebettet und fest verschnürt ist. Viele Blicke folgen uns, kein Wunder, sowas fährt nicht alle Tage übers Land.

Nach der zugigen Heimfahrt kommt sie nur noch in die Schubkarre und ist endlich am Ziel!

 
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Endlich ist auch der letzte Streich geschafft!
Die Dame sitzt nun auf ihrem endgültigen Platz im Garten. Extra haben wir für sie noch einen stabilen Eisenstuhl gekauft, auf dem sie mit 4 Schrauben festgeschraubt ist. Leider wollte sie immer umkippen - ich habe wohl versäumt, den Gleichgewichtssinn einzutöpfern...
Unsere Hühner haben die Dame schon akzeptiert, Leo, der Kater, hält lieber etwas Abstand.

Bei der nächsten Garten-Ausstellung können Sie mein "Meisterstück" im Original sehen!


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